Die Geschichte des Caritasverbandes für das Bistum Magdeburg
Teil 3 - 1950 bis 1961
1950
Januar 1950
Der Caritasverband Magdeburg zieht wieder in die Räume der Prälatenstraße 35 zurück.
16.01.1950
Fräulein Ossig (heute Frau Schelenz) beginnt die Arbeit beim Caritasverband.
01.06.1950
Herr Scholz beginnt mit der Männerfürsorge in Halle.
01.07.1950
Frau Schewe wird als Fürsorgerin für die Stadt Halle angestellt.
01.07.1950
Das Dekanat Oschersleben wird eingerichtet. Frau Sonntag ist die erste Dekanatsfürsorgerin dort. Die Dekanatsgrenzen sind
nicht mit denen der letzten Jahre vergleichbar. So gehört z.B. zum Dekanat Oschersleben auch noch die Pfarrei Aschersleben.
Einrichtung eines Kinderheimes auf der Huysburg.
Im Sommer findet die erste örtliche Müttererholung in der Porsestraße statt. Der Caritasverband hat das Sebastianeum dafür gepachtet.
Im Blankenburger Erholungsheim, das der Caritasverband Magdeburg dort unterhält, finden Mütterferien statt. Das Haus wird im Frühjahr 1950 aufgelöst.
In den Jahren 1949 und 1950 können 650 Kinder zur Erholung in den Westteil der Diözese verschickt werden. An örtlichen Kindererholungen nehmen in den verschiedenen Pfarreien 3.100 Kinder teil.
Im Laufe des Jahres werden einige Mädchen als "Hauskinder" in verschiedene Einrichtungen aufgenommen. Es ist eine kleine Gruppe von Mädchen, die eine gezielte hauswirtschaftliche Anleitung erhält.
Im Dezember 1950 stellt die Volkspolizei Spenden sicher. Sie wird dabei von der Volkssolidarität unterstützt. Einspruch in Berlin beim Innenministerium. Die beschlagnahmten Sachen sind sofort zurückzugeben. Da die Volkssolidarität inzwischen einiges davon verbraucht hat, wird eine Bargelderstattung gefordert.
1951
Kirchmöser wird als Erholungsheim eröffnet. Im Januar findet die erste Mütterkur statt.
01.02.1951
Frau Ziese übernimmt in Magdeburg die Fürsorgearbeit. Der Fürsorgeverein für Frauen, Mädchen und Kinder hat bis dahin diese
Arbeit gemacht. In Magdeburg geht die Fürsorgerin in den Westen, damit geht die Arbeit auf den Caritasverband über. Ebenso
in Halberstadt und Quedlinburg, wo alle bisher vom Fürsorgeverein geleisteten Betreuungen von den Dekanatsfürsorgerinnen übernommen
werden.
01.04.1951
Das Dekanat Halle wird mit der Fürsorgerin Frau Hiller besetzt.
Der Merseburger Kindergarten wird ausgebaut.
Die Fürsorgerin des Dekanates Wittenberg stellt fest, dass die regelmäßigen Helferzusammenkünfte in den kleineren Gemeinden nachlassen.
Die Gefängnisfürsorge in den einzelnen Haftanstalten, die bisher von unseren Dekanatsfürsorgerinnen und Fürsorgern gemacht wurde, wird erschwert bzw. ganz verboten. Insgesamt ist festzustellen, dass staatlicherseits die ersten Erschwernisse beginnen. So schaltet sich der Staat ein und beschlagnahmt Pakete, erschwert die Einfuhr von Hilfsgütern, was für die örtliche Kinder- und Müttererholung, die Altenbetreuung, die Gefangenenfürsorge usw. große Folgen hat. Daraufhin wird von der Mutterdiözese Paderborn eine Paketaktion gestartet, die aber abgebrochen werden muss wegen der Verordnung über Paketsendungen.
Nach den ersten fünf Jahren der Gründung des Caritasverbandes kann gesagt werden, daß der Aufbau des Verbandes weit fortgeschritten ist. Das Anliegen der Caritas der Gemeinde hat in sehr vielen Gemeinden Fuß gefaßt. Fast überall gibt es Helferkreise bzw. Dorfhelfer, die sich verantwortlich fühlen und rege mitarbeiten. Die Aufgeschlossenheit der Gemeinden für caritative Belange in diesen Jahren ist erfreulich.
1952
24.01.1952
Friedrich-Maria Rintelen wird zum Bischof geweiht. Damit erhält der Caritasverband einen Schutz- und Schirmherren in schwerer
Zeit.
16.05.1952
Frau Reuter übernimmt das Dekanat Magdeburg.
In diesem Jahr erhält das Kinderheim in Torgau einen größeren Anbau.
Frau Ziese beginnt in diesem Jahr mit der Schulung innerhalb der Caritashelferkreise in Frauen- und Mütterkreisen, in Kolpings-, Familien- und Männerkreisen. Sie erreicht damit, dass zu den bestehenden Caritashelferkreisen noch Spezialhelfergruppen entstehen, die sich vor allem um gefährdete Kinder und Jugendliche, zerrüttete Ehen usw. kümmern. In 13 Gemeinden gelingt es, solche Helferkreise mit Spezialaufgaben zu gründen. Insgesamt arbeiten 148 Helfer(innen), davon 17 Männer, mit. Die Einweisung von Kindern in katholische Kinderheime wird schwieriger. Insgesamt bestehen im Ostteil des Bistums 12 Kinderheime, davon zehn sogenannte Normalkinderheime, ein Gehörlosenheim in Halberstadt (1956 aufgelöst) und das Marienheim in Schönebeck, das ab 1955 als Säuglingsheim arbeitet. Insgesamt stehen ca. 600 Heimplätze zur Verfügung. In den ersten Nachkriegsjahren sind alle Heime überbelegt. Danach kann daran gegangen werden, die Plätze zu reduzieren. Der Caritasverband sieht eine wichtige Aufgabe in der Sorge um Kinder und Jugendliche darin, Heimkinder in Lehr- und Arbeitsstellen zu vermitteln. Mit Hilfe der Gemeinden wird dies auch in vielen Fällen möglich. Pflegefamilien nahmen die Jugendlichen auf, damit sie nicht in Lehrlingswohnheimen unterkommen müssen. Der Caritasverband zahlt einen geringen Zuschuß an diese Pflegefamilien. Insgesamt werden in den Jahren von 1952 bis 1968 165 Jugendliche auf diese Weise vermittelt.
1953
Januar 1953
Erste Frohe Herrgottstunde in Magdeburg St. Sebastian.
Die erste Woche für Körperbehinderte und Blinde wird in Bad Kösen vom Seelsorgeamt veranstaltet. Frau Klar als Diözesancaritasfürsorgerin arbeitet mit.
Die Magdeburger Krankenhäuser werden von Helferinnen aus den Gemeinden regelmäßig besucht. Auch in anderen Dekanaten wird es als selbstverständliche Aufgabe der Gemeinden angesehen, sich um die Kranken in den kommunalen Krankenhäusern zu kümmern.
In diesem Jahr wird in einigen Jahresberichten zum ersten Mal vermerkt, daß es Gemeinden gibt, in denen keine Helfergruppen mehr bestehen; daß es auch Pfarreien gibt, wo die Fürsorgerin nicht in die Helferkreise hineinkommt, daß es andererseits Pfarreien gibt, wo Helfer nur noch zusammengerufen werden, wenn die Sammlungen vorzubereiten sind.
1954
Es bestehen inzwischen vier Hauskindergruppen: Magdeburg (St. Mathildenheim), Sandau, Torgau, Ilsenburg, mit insgesamt 47 Hauskindern.
Es fällt auf, dass die Helferarbeit in den Gemeinden bei Pfarrerwechsel schwieriger wird. Nur sehr wenige Laien sind bereit,
Verantwortung für die Leitung einer Helfergruppe zu übernehmen.
Ab 1954 werden Vormünder durch den Diözesan-Caritasverband geschult, um sie für ihre Arbeit zu befähigen. Allein in Magdeburg gibt es 52 Vormünder für katholische Kinder und Jugendliche.
In Bitterfeld übernimmt der Fürsorger Richard Schelenz die Männerfürsorge.
Die Schulungsarbeit nimmt einen breiten Raum in der Arbeit des Diözesancaritasverbandes ein. Es werden Arbeitstagungen für Fürsorgerinnen, Erzieherinnen und Oberinnen in Kinderheimen und Kindergärten und Erziehungshelferinnen abgehalten, Schwesterntage für nicht konfessionell gebundene Krankenschwestern, eine Schwesternwerkwoche, eine dreitägige Helferkonferenz für besonders verantwortliche Helfer aus den größeren Gemeinden, in den einzelnen Dekanaten Helfertage, örtliche Helferabende, Konferenzen für Mütterferienleiterinnen, Schulentlaßeinkehrtage für Mädchen, Konferenzen für Bahnhofsmissionshelferinnen usw.
Sicher wird hier sehr stark deutlich, dass zur Caritasarbeit neben der praktischen Hilfe auch immer sehr viel Bildungsarbeit gehört; einerseits um die Fachlichkeit zu stärken, andererseits aber auch, um durch Einkehrtage und Exerzitien Hilfen zu geben, den Alltag aus dem Glauben zu bewältigen.
1955
In der zweiten Jahreshälfte kommt es zu Schwierigkeiten bei der Einweisung von Kindern in kath. Heime. Man versucht, über sogenannte Lenkungsstellen den Ort der Heimeinweisung zu entscheiden und damit das elterliche Recht der Aufenthaltsbestimmung zu umgehen bzw. zu verändern.
In diesem Jahr beginnt Herr Antkowiak seine Arbeit neben Frau Hiller im Dekanat Halle.
Im Dekanat Weißenfels sind 30 Gehörlose und 30 katholische Blinde bekannt, die regelmäßig von den zuständigen Priestern und Helferinnen der Gemeinde betreut werden. Trotzdem wird deutlich, dass überall jüngere Helferinnen fehlen, da die Berufstätigkeit der Frauen weiter zunimmt. Außerdem verändern sich die Aufgaben der Helfer sehr stark. Nachdem keine Spenden mehr zu verteilen sind, hat die Caritashelferin die Aufgabe der Kontaktpflege zwischen Gemeinde und Gläubigen. Dafür sind nicht alle tauglich und so ziehen sie sich aus der Arbeit zurück. Die einzelnen Pfarrer holen sich dann die Helferinnen, die sie für entsprechende Aufgaben brauchen können.
Es werden die ersten Kurse für häuslich Krankenpflege gehalten mit einem guten Echo.
1956
Im August wird das Kinderheim in Harbke aufgelöst. Die katholischen Kinder kommen in anderen katholischen Heimen unter. Der Staat übernimmt nur noch vereinzelt die Heimkosten für Kinder in unseren Heimen.
Herr Weißbrich übernimmt das Dekanat Dessau/Bernburg als Fürsorger und löst damit Frau Heinrich ab.
01.10.1956
Herr Tretschok wird in Helbra für die Männerfürsorge und die Suchtkrankenfürsorge eingestellt.
1957
Frau Killer übernimmt das Dekanat Magdeburg.
In Stendal fällt auf, dass viele Familien in den Westen gehen (dies hängt mit der Gründung der LPGen zusammen). Damit werden auch die Helferkreise kleiner. Frau Althansel hält ihre Schulungen vor Frauen- und Mütterkreisen in der Hoffnung, damit Caritashelferinnen zu gewinnen und diese Frauen für die Aufgaben der Nachbarschaftshilfe zu befähigen.
1958
Fräulein Halama (verheiratet Frau Schmeja) übernimmt das Dekanat Torgau nach dem Weggang von Frau Adametz.
Auffallend sind in diesem Jahr folgende Zahlen: Es werden jeweils drei Schulungstage für verantwortliche Helfer aus fünf Dekanaten gehalten, dazu 14 Dekanatshelfertage, 355 Helfertreffen auf örtlicher Ebene und 79 Fürsorgehelferkreise (Frau Ziese). Außerdem wird der Kontakt zu Fürsorgerinnen im öffentlichen Dienst weiter gepflegt. Sie haben zwei Arbeitstage im Jahr, die der Caritasverband veranstaltet. Zu Gemeinschaftstagen für Krankenschwestern und Caritasschwestern kommen an sechs Schwesterntagen ca. 300 Teilnehmerinnen zusammen, 550 Schwestern sind namentlich erfasst.
Inzwischen sind die Ausbildungspläne für die Hauskindergruppen weiter verbessert worden. Es entstehen die sog. Aspirantinnengruppen (hauswirtschaftliche Grundausbildung). 77 Mädchen lernen in sieben Gruppen.
Die Krankenwoche des Seelsorgeamtes wird weiterhin mit Mitarbeitern des Caritasverbandes durchgeführt.
1959
01.01.1959
Es werden keine Heimkosten mehr vom Staat für unsere Kinder gezahlt.
Begründung: Die Erziehung sei Aufgabe des Staates, nicht der Kirche. Damit beginnt eine große Sorge für den Caritasverband.
Die Heimplätze sind inzwischen auf ca. 400 reduziert, die zum großen Teil belegt sind. Aus christlicher Verantwortung für die katholischen Kinder wird versucht,
dass kein Kind aus Geldmangel unser Heim verlassen muss. So übernehmen Einzelpersonen und Pfarrgemeinden oder pfarrliche Gruppen
Patenschaften, die z.T. heute noch vereinzelt Geld schicken. Es wird das Gründonnerstagsopfer für die Kinderheime eingeführt; es werden Erntedankopfer
für die Kinderheime erbeten. Kinder können Weihnachtswunschzettel schreiben, die von den Gemeinden erfüllt werden usw. . Vor diesem Hintergrund überleben die kirchlichen Kinderheime alle staatlichen Repressalien.
Weiterhin fällt in diesem Jahr auf, dass es nach wie vor eine gute Zusammenarbeit zwischen dem Seelsorgeamt und dem Caritasverband gibt. Rat Lehnert, Rat Aufderbeck und Spiritual Dr. Iskenius arbeiten bei Einkehrtagen, Exerzitien usw. für Caritasmitarbeiter mit.
Februar 1959
Frau Klara Ullrich kommt als Fürsorgerin in die Stadtcaritas nach Magdeburg.
Bernburg erhält eine eigene Fürsorgerin, Frau Glatzel, und wird damit vom Dekanat Dessau abgekoppelt.
Theodor Hubrich übernimmt die Aufgaben des Caritasdirektors. Herr Direktor Solbach wird zum Vorsitzenden des Caritasverbandes ernannt. Er behält sich die Arbeit mit den katholischen Krankenschwestern vor.
1960
Es beginnt das Krankenhaus- bzw. Altenheim-Sonntagsdiakonat im Marienstift in Magdeburg, in Köthen und in Altenheimen im Dekanat Torgau. Für diese Arbeit stellen sich Mädchen zur Verfügung, die einen halben Tag in den genannten Einrichtungen ehrenamtlich Hilfsdienste tun.
Im September wird im Kinderheim Naumburg eine neue Aspirantinnengruppe eröffnet. Damit können in Magdeburg insgesamt 71 Mädchen Platz finden.
Die Erholung in den Heimen wird weiter ausgebaut. So finden 26 Kurse für Müttererholung mit 540 Müttern statt, vier Kurse örtliche Müttererholung mit 67 Müttern (diese Form der Erholung geht in den Folgejahren immer mehr zurück, bis sie ganz aufhört), fünf Familienerholungen können durchgeführt werden.
Eine Aufstellung über bestehende Helfergruppen zeigt folgendes Ergebnis: In 170 Gemeinden des Erzbischöflichen Kommissariates Magdeburg bestehen Helferkreise, in 52 Gemeinden bestehen keine.
Oktober 1960
Großes Ereignis für Frau Althansel: Sie bekommt ein Auto und fährt im darauffolgenden Jahr ca. 12.000 km in der Altmark.
1961
Es ist das Jahr des Mauerbaus, das für die Caritasarbeit große Einschnitt mitbringt. In Magdeburg laufen die Vorbereitungen für die Eröffnung eines Seminars für den kirchlich-caritativen Dienst auf Hochtouren. Das Seminar kann am 24.10.1961 eröffnet werden, gut zwei Monate nach dem Mauerbau.
August 1961
Die Fürsorgerin von Eisleben wird inhaftiert und anschließend zu zwei Jahren Haft wegen staatsfeindlicher Hetze verurteilt.
Die Fürsorgerin des Dekanates Wittenberg kommt von dem Besuch ihrer Mutter, die im Westen lebt, nicht mehr zurück. Das Dekanat wird kommissarisch von Herrn Antkowiak übernommen.
Frau Schewe in Halle gibt fünf gehörlosen Kindern Religionsunterricht, ein beredtes Beispiel für die enge Zusammenarbeit zwischen Caritas und Pastoral.
Die Aspirantinnengruppe in Ilsenburg muss wegen des Sperrgebietes aufgelöst werden.
Oktober 1961
Frau Christa Kramer übernimmt den Bereich der Mädchensozialarbeit und damit die Sorge für die Aspirantinnen.
