Die Geschichte des Caritasverbandes für das Bistum Magdeburg
Teil 4 - 1962 bis 1973
1962
Frau Rogall (verheiratet Frau Fischer) übernimmt das Dekanat Bernburg.
Im Elisabeth- und Barbara-Krankenhaus Halle beteiligen sich 50 Mädchen am Sonntagsdiakonat.
In Halle gibt es zwei Helferkreise, die die Patienten in den Unikliniken besuchen.
Frau Halama und Frau Siegl werden zum Theologiestudium nach Erfurt delegiert. Herr Tretschok übernimmt daraufhin das Dekanat Torgau.
Die Ausbildung zur Krankenschwester wird 3-jährig. Damit verändern sich für die Aspirantinnen die Zulassungsvoraussetzungen.
In Berlin wird im Herbst 1962 für den Bereich der DDR eine Ausbildung zur Altenpflegerin begonnen. Aus Magdeburg nehmen zwei Frauen daran teil.
Von den Mitarbeitern des Diözesancaritasverbandes wird im Seminar für den kirchlich-caritativen Dienst ein Teil des Unterrichtes abgedeckt. Außerdem wird eng mit der Seminarleitung zusammengearbeitet bei der Vermittlung in Praktikumseinrichtungen, bei Praktikumsbesuchen und der Praktikumsauswertung.
Die Vorbereitungen der RKW werden in enger Zusammenarbeit zwischen Caritasverband und Katechetischem Amt getätigt.
1963
Der erste Kurs aus dem Seminar für den kirchlich-caritativen Dienst macht Examen. Damit wird es möglich, im Magdeburger Bereich zwei Ausbildungsstätten zu eröffnen. Im Herbst beginnt die Ausbildung für Hilfsschwestern im Marienstift in Magdeburg und für Säuglingspflegerinnen in Schönebeck. Beide Ausbildungen werden von Fürsorgerinnen geleitet.
In acht Pfarreien werden Altenpflegerinnen eingestellt. Magdeburg kann wieder zwei Teilnehmerinnen für den einjährigen Altenpflegekurs in Berlin delegieren.
Neben den Krankenwochen, die vom Seelsorgeamt in Bad Kösen durchgeführt werden, beginnt der Caritasverband mit einer Krankenwoche in Kirchmöser.
Das Piusstift in Torgau wird für schulbildungsunfähige Kinder umgestellt. Die Aufnahmen können nach zweijährigen Verhandlungen aus dem ganzen Kommissariat getätigt werden. Nach weiteren zweijährigen Verhandlungen können ab Januar 1965 Pflegesätze in Höhe von 8,10 DM pro Tag und Kind abgerechnet werden.
1964
Direktor Hubrich wird an die Zentralstelle Berlin berufen. Der Pfarrer von Arendsee, Joachim Hoffmann, wird neuer Caritasdirektor.
Die Sorge um die Alten steht überall im Mittelpunkt der Arbeit. Es werden die ersten Altenkarteien in den Pfarreien erstellt.
Pfarrgemeinderäte werden in Gemeinden ab einer bestimmten Größe gewählt, denen Sachgruppen zugeordnet sind. In den kommenden Jahren werden wir merken, wie die Sachgruppen Diakonie Einfluss auf die Helferarbeit vor Ort haben. Bei vielen Helfern macht sich eine starke Verunsicherung breit, ob ihre Dienste noch gefragt sind.
In Schönebeck beginnt der zweite Kurs für Säuglingspflege, der von Barbara Jalowietzki (verheiratet Barbara Vogel) geleitet wird.
Im August übernimmt Schwester Margarete Urbantke einige Bereiche aus der Gesundheitsfürsorge und die Arbeit mit den Krankenschwestern.
Zehn Altenpflegerinnen arbeiten inzwischen in verschiedenen Gemeinden. Daneben gibt es noch in 29 anderen Gemeinden Ordensschwestern in der ambulanten Krankenpflege. Leider müssen 1964 zwei Stationen der ambulanten Krankenpflege geschlossen werden.
In den Altenheimen macht sich die Überalterung der Ordensschwestern stark bemerkbar. Der Einsatz von Laien wird immer nötiger. Damit kommen große Finanzierungsprobleme auf den Caritasverband zu.
In diesem Jahr beginnt das Feriendiakonat. Es ist ein Einsatz von zwei bis vier Wochen von Jugendlichen in sozialen Einrichtungen während der Sommerferien. An dem ersten Einsatz nehmen 73 Mädchen teil. Auch das Sonntagsdiakonat findet großen Anklang. 56 Jugendliche arbeiten in Krankenhäusern, zwölf in Altenheimen.
Die Zusammenarbeit mit dem Seelsorgeamt ist gut.
- Mitarbeiter des Caritasverbandes unterstützen das Seelsorgeamt bei der Durchführung der Krankenwoche in Bad Kösen.
- enge Zusammenarbeit auch bei der Gehörlosenwallfahrt, bei Gehörlosen- und Blindentagen.
Im Einsatz junger Erwachsener im Jahr für die Kirche bahnt sich die Zusammenarbeit mit dem Jugendseelsorgeamt an.
1965
In diesem Jahr wird zum ersten Mal Genex aktiv. Für Altenheime werden Waschmaschinen, Schleudern, Kühlschränke usw. bestellt und geliefert.
In neun Gemeinden werden sog. "Altenstuben" eingerichtet.
Für einen Erweiterungsbau der Klinik Bosse wird die Genehmigung erteilt.
April 1965
Der Entwurf des neuen Familiengesetzes der DDR wird vorgelegt. Wichtige Rechte der Eltern, wie die Bestimmung des Aufenthaltes und die Sicherung der religiösen Erziehung,
fehlen darin. Der Caritasverband geht in viele Gemeinden, um darauf aufmerksam zu machen und die Gläubigen aufzufordern, ihre
Rechte einzufordern. Viele Eltern schreiben an die Volkskammer. Ebenso richten die Bischöfe ein Schreiben an den Vorsitzenden
des Ministerrates, den Ministerpräsidenten Wilhelm Stoph.
Personelle Veränderungen: Frau Killer wechselt als Sekretärin zum Bischof. Das Dekanat wird in Zukunft von Frau Rohrbach bearbeitet.
Frau Schmeja übernimmt die Leitung des Seminars für den kirchlich-caritativen Dienst.
1966
01.04.1966
Das Familiengesetz tritt in Kraft.
01.09.1966
Das Krankenhaus in Oebisfelde geht in staatliche Trägerschaft über. Die Schwestern werden vom Mutterhaus wegen ihres hohen
Alters zurückgezogen. Neue Mitarbeiter, die der Caritasverband gewinnen kann, bekommen keine Einreise.
Zwei Altenpflegerinnen, die die Ausbildung in Berlin abgeschlossen haben, kommen in das Altersheim Bad Liebenwerda bzw. Köthen.
Personelle Veränderungen:
- Frau Klemt übernimmt die Leitung des Kindergärtnerinnenseminars in Michendorf und arbeitet nur noch wenige Tage im Diözesanverband Magdeburg.
- Frau Kaschel wird Nachfolgerin von Frau Friebe in Halberstadt.
- Frau Mach wird Nachfolgerin von Frau Kaschel in Torgau.
- Frau Bäsken löst Herrn Antkowiak in Wittenberg ab.
1967
Das Dekanat Bernburg wird von Frau Hesse übernommen.
Aus allen Dekanaten wird berichtet, dass die Helferarbeit zunehmend Probleme macht. Wenn man bedenkt, dass die Helferinnen, die kurz nach dem Krieg von den Fürsorgerinnen gewonnen werden konnten, inzwischen etwa 20 Jahre ihre Dienste tun, wird es einsichtig, dass diese ersten Helferinnen den neuen Aufgaben vermutlich nicht mehr gewachsen sind. Neue Helferinnen finden sich kaum, da fast alle Frauen berufstätig sind.
Der Mauerbau hat es mit sich gebracht, dass alle Ausbildungen, die unbedingt nötig sind, um den Fortbestand caritativer Einrichtungen
zu sichern, für die DDR neu konzipiert werden müssen. So beginnt am 04.11.1967 in Kirchmöser der erste Wirtschafterinnen-Kurs, an dem sieben Ordensfrauen und zwei Laien teilnehmen (aus dem gesamten Gebiet
der DDR). Die Ausbildung umfasst Theorie und Praxis. Von November bis März werden theoretische Kenntnisse vermittelt, danach wird
im Thüringer Raum ein Kochlehrgang durchgeführt und ein zweimonatiges Praktikum in Großküchen absolviert. Für diese Zeit von
April bis Oktober steht Kirchmöser wieder als Erholungsheim zur Verfügung.
Nach langwierigen Verhandlungen gelingt es, die Ausbildungskapazität im Barbara-Krankenhaus (Kinderkrankenschwestern) für
jeden Kurs auf 25 Plätze zu erhöhen (bisher 15 Plätze).
1968
Drei Frauen bestehen das Fürsorgeexamen und werden in Jahrespraktikantenstellen vermittelt; ebenso schließen vier Altenpflegerinnen in Berlin die Ausbildung ab und kommen nach Magdeburg zurück.
1969
Hier können keine besonderen Angaben gemacht werden. Die meisten Dekanate haben keinen Jahresbericht geschickt, weil sie mit den Fragen nicht einverstanden waren.
1970
Im Magdeburger Bereich arbeiten noch 27 Gemeindepflegestationen. Davon sind 17 mit Ordensschwestern besetzt und zehn mit Laien.
Frau Marga Simon reist in den Westen aus. Das Dekanat Eisleben wird mit Frau Millich besetzt.
Frau Winkler übernimmt die Mädchensozialarbeit von Frau Kramer, die zum Theologiestudium delegiert wird.
Die Jahresberichte stehen weiter im Mittelpunkt des Interesses der Fürsorger. Vier Mitarbeiter schreiben kritische Briefe an den Direktor und bitten um Änderung des Fragerasters.
1971
In mehreren Dekanaten entstehen Dekanatsräte.
Die erste Sonderkur für Mütter von geistig behinderten Kindern wird in Roßbach durchgeführt.
In Magdeburg wird der erste ökumenische Altenpflegekurs auf Stadtebene gehalten, mit großem Echo. Ziel dieses Kurses ist es, ehrenamtliche Helferinnen und Helfer für die Altenarbeit zu gewinnen, was aber kaum gelingt.
Frau Pawlik übernimmt von Frau Hesse das Dekanat Bernburg. In diesem Jahr werden zum ersten Mal verbale Jahresberichte aus den einzelnen Dekanaten abgegeben. Es wird deutlich, dass sich der Schwerpunkt der Arbeit immer mehr zur Altenarbeit hin entwickelt. Große Probleme machen immer noch die fehlenden Altenheimplätze. Nur in wenigen Fällen ist es möglich, alte Menschen in unsere Heimen aufzunehmen.
1972
Der Caritasverband weitet sein Erholungsangebot aus. Es findet die erste Erholungszeit für psychisch Kranke statt.
Die Grauen Schwestern kündigen das Josefs-Krankenhaus in Dessau zum 31.12.1972. Damit geht die Sorge um das Personal an den Diözesanverband über. Umfangreiche Überlegungen und Vorbereitungen sind dazu erforderlich. Das Haus wird insofern umstrukturiert, als dass die Chirurgische Abteilung aufgelöst und die Innere Abteilung um die entsprechende Bettenzahl vergrößert wird. Als dringende Notwendigkeit wird der Bau einer neuen Küche geplant. Für alle Bereiche können die entsprechenden Mitarbeiter gefunden werden.
Erstmalig sind in diesem Jahr zwei Diakone in einem caritativ-sozialen Praktikum, um Einblick in die Möglichkeiten der heutigen Diözesan-, Dekanats- und Stadtcaritas zu nehmen. Außerdem leisten zwei Oberschüler aus dem Norbertinum ein Praktikum in der offenen Dekanatscaritasarbeit ab, sowie auch in einem kirchlichen Krankenhaus. Beide Versuche werden als äußerst positiv bewertet.
Mit dem Seelsorgeamt finden zwei Konferenzen statt, bei denen es um die Vorbereitung der Thematik für das Pastoraljahr "Diakonie in der Gemeinde" geht. Es wird gemeinsam eine Handreichung erarbeitet.
1973
Die Pastoralsynode in Dresden beschließt als erstes das Papier "Diakonie der Gemeinde" . Dieses Papier wird in vielen Gemeinden besprochen, allerdings ohne sichtbare Auswirkungen auf die Arbeit der Sachgruppe Diakonie bzw. der Helferinnen und Helfer.
