Die Geschichte des Caritasverbandes für das Bistum Magdeburg
Teil 5 - 1974 bis 1989
1974
Joachim Hoffmann wird mit Wirkung vom 01.01.1974 von Bischof Johannes Braun zum Pfarrer in Langenweddingen ernannt. Als Nachfolger für den Caritasdirektor wird der Subregens der Huysburg Bruno Scholze berufen. Vielleicht ist eine Aussage, die ein Mitbruder dem Subregens gegenüber gemacht hat, symptomatisch für die Sicht, die vom Caritasverband im Land herrscht:
"Du gehst wohl nach Magdeburg, um den Caritasverband zu beerdigen". Gegen diese Aussage hat sich Direktor Scholze verwahrt. Es ging ihm darum, die Arbeit des Verbandes neu zu beleben und wirklich da zu sein, wo die Not am größten ist.
Alle Jahresberichte vermerken, dass der Aufbau der Sachgruppe Diakonie recht schwierig ist. Die Fürsorger fragen an, ob die Schwerpunkte der Caritasarbeit verändert werden müssten bzw. ob es eine Verständigung über Schwerpunktarbeit geben könnte, da die Fülle der Aufgaben ein unüberschaubares Feld für die Gemeinden darstellt. Zum ersten Mal taucht die Frage auf, ob über das Berufsbild des Fürsorgers gearbeitet werden müsste.
Das Dekanat Halberstadt wird von Herrn Sonsalla übernommen.
In ungefähr 125 Gemeinden gibt es etwa 2.100 Helferinnen und Helfer. Für diese wurden nach wie vor Dekanatshelfertage und örtliche Helferkreise durchgeführt. Außerdem wurden die ersten Helfer für die Altenarbeit geschult, da in vielen Gemeinden Altenkreise entstanden sind. Etwa 560 Altentage für rund 19.000 alte Menschen wurden in den Gemeinden durchgeführt.
In 26 Gemeinden gibt es ambulante Schwesternstationen. Darin sind 19 Ordensschwestern und zwölf Laien tätig.
Die Aspirantur in Köthen wird geschlossen. Ab September ändert sich das Bild der Aspirantur von der hauswirtschaftlichen Grundausbildung zur sog. berufsorientierten Aspirantur für Kindergärtnerinnen und Krankenschwestern.
Die Krankenschwesternausbildung an den Medizinischen Fachschulen wird geändert. Wir vermuten, daß die Ausbildung im Elisabeth- und Barbara-Krankenhaus in Halle davon in absehbarer Zeit betroffen sein wird.
Es wird ein ökumenischer Altenpflege-Fernkurs durchgeführt (als Berufsausbildung). Acht Teilnehmerinnen aus Magdeburg nehmen daran teil. Für die kommenden Jahre ist ein solcher Kurs auch in Magdeburg geplant.
In diesem Jahr schließen sechs Damen und Herren im Seminar für den kirchlich-caritativen Dienst in Magdeburg die Ausbildung ab und beginnen mit dem Jahrespraktikum.
1975
Frau Winkler beginnt mit der Arbeit im Caritasverband Halle.
Die Freizeit für alleinerziehende Mütter mit ihren Kindern ist inzwischen ein fester Bestandteil im Erholungsangebot des Caritasverbandes. Diese Freizeit wird von Frau Mach begleitet.
Im Diözesan-Caritasverband werden zwei neue Referate eingerichtet:
- Referat Altenarbeit, besetzt mit Herrn Weißbrich
Aufgabe: Begleitung der Altenheime und der ambulanten Altenpflegerinnen, Hilfen zur pastoralen Altenarbeit für die Gemeinden und Unterstützung der Fürsorger bei ihrer Arbeit für die Alten. - Referat Bildungsarbeit, wird von Frau Kramer wahrgenommen
Dieses Referat wird vor allem eingerichtet, um die Dekanatsfürsorger beim Auf- und Ausbau der Helferarbeit zu unterstützen.
In der Krankenschwesternausbildung gibt es eine tiefgreifende Veränderung. Mädchen, die bei der katholischen Kirche ihre Ausbildung
machen wollen, müssen im Anschluss an die
10. Klasse ein sog. Pflegerisches Praktikum ableisten, bevor sie in die Krankenpflegeausbildung nach Halle gehen können. 1975 wird für dieses
Pflegerische Praktikum eine sog. Kirchliche Ordnung erstellt und das Praktikum wird inhaltlich und organisatorisch auf DDR-Ebene vorbereitet.
1976
Personal:
- Frau Bäsken übernimmt das Dekanat Dessau,
- Herr Henkel das Dekanat Wittenberg.
- Frau Hall wird für die Körperbehindertenarbeit in den Dekanaten Dessau und Wittenberg eingestellt.
- Frau Baumgarten wird Nachfolgerin von Frau Ullrich, die die Leitung des Seminars für den kirchlich-caritativen Dienst übernommen hat. Sie wird als Stadtfürsorgerin in Magdeburg eingesetzt.
- Schwester Margarete Urbantke übernimmt die Pflegedienstleitung im Bischof-Weskamm-Haus. Die Schwesternarbeit wird zukünftig vom Referat Bildung übernommen.
- Drei Seelsorgehelferinnen nehmen am Altepflege-Fernkurs teil, um die eigene Gemeindearbeit zu verbessern.
Am 01.09.1976 beginnt eine neue Form der Krankenschwesternausbildung:
Elisabeth- und Barbarakrankenhaus in Halle werden sog. "Ausbildungskrankenhäuser". Sie sind Medizinischen Fachschulen angeschlossen. Das heißt, die praktische Ausbildung wird in den o.g. Krankenhäusern durchgeführt, die Theorie kann ebenfalls bei uns vermittelt werden. Für das Fach Marxismus-Leninismus kommt eine Lehrkraft aus den Medizinischen Fachschulen. Prüfungen usw. sind unter Leitung der Medizinischen Fachschule abzunehmen.
Durch die Veränderung der Ausbildung müssen Mädchen, die bei uns lernen wollen, vorher ein pflegerisches Praktikum ableisten. Für den Ausbildungsberuf "Kinderkrankenschwester" wurden Gruppen in Wittenberg und Schönebeck eingerichtet. Die Gruppe im Josefs-Krankenhaus Dessau für Krankenschwestern wurde geschlossen, da die Stelle der Leiterin nicht besetzt werden konnte.
Eine Besonderheit - in Schönebeck können zwei Mädchen angestellt werden, die von dort zum Direktstudium als Krippenerzieherinnen delegiert werden. Diese Direktstudienplätze, die in geringer Anzahl für bestimmte Ausbildungsberufe der katholischen Kirche zur Verfügung gestellt werden, müssen über die Zentralstelle dem Gesundheitsministerium genannt werden, und von dort werden uns an bestimmten Medizinischen Fachschulen diese Plätze zugeteilt.
In diesem Jahr laufen die Vorbereitungen für die Erst- und Zweitbelegung im Bischof- Weskamm-Haus, dessen Eröffnung im Februar 1977 geplant ist.
In einigen Dekanaten finden mehrmals im Jahr Treffen der Sachgruppe Diakonie statt.
1977
Das Bischof-Weskamm-Haus wird eröffnet.
Im Laufe des Jahres entstehen in einigen Dekanaten neue Kreise für Körperbehinderte.
In allen Berichten wird deutlich, dass die Caritas der Gemeinde immer mehr auf den Helferkreis reduziert wird. Das fällt anscheinend kaum jemandem auf.
Juni 1977 Frau Klar (Diözesanfürsorgerin) verlässt nach fast 30-jähriger Arbeit den Diözesan-Caritasverband und geht in den Ruhestand nach Paderborn.
Oktober 1977 Frau Althansel wird nach 31-jähriger Tätigkeit abgelöst und kann in den wohlverdienten Ruhestand gehen. Herr Suda übernimmt ihre Arbeit.
Dezember 1977 Herr Könecke wird für fünf Pfarreien des Dekanates Magdeburg (Haldensleber Landkapitel) angestellt und bekommt die Beauftragung für die Strafgefangenen- und Haftentlassenenarbeit in Magdeburg.
1978
In mehreren Dekanaten wird der Wunsch geäußert, die Arbeit auf mehr Schultern zu verteilen. Diesem Wunsch kann aber wegen fehlender Fachkräfte und fehlenden Geldes nicht nachgekommen werden.
Frau Rohrbach übernimmt für einige Monate die Leitung des Konrad-Martin-Hauses in Bad Kösen, das inzwischen in Trägerschaft des Caritasverbandes übergegangen ist. Frau Pawlik übernimmt die Gruppe des Pflegerischen Praktikums in Dessau. Frau Bäsken übernimmt kommissarisch neben ihrer Arbeit im Dekanat Dessau auch das Dekanat Bernburg.
1979
Das Dekanat Halberstadt wird von Frau Rosa Kramer übernommen.
Frau Rohrbach und Frau Baumgarten beginnen mit der Ausbildung zur Eheberaterin.
Oktober 1979 Herr Spinneken wird Dekanatsfürsorger in Wittenberg.
1980
In allen Dekanaten fällt auf, dass viel für Körperbehinderte getan wird; dass auch immer mehr Kreise für Eltern geistig behinderter Kinder entstehen, dass die Arbeit mit Sinnesgeschädigten aber nur noch auf zwei Orte beschränkt ist, Magdeburg und Halle. Die Arbeit mit diesem Personenkreis wird von jüngeren Fürsorgern als wenig sinnvoll und auch recht schwer angesehen.
In einigen Dekanaten wird die Arbeit für Strafgefangene und Haftentlassene umfangreicher. Vor allem die Arbeit mit den entsprechenden Angehörigen nimmt zu.
1981
Am 02.01.1981 hat Herr Direktor Scholze einen Autounfall mit Todesfolge. Ihm folgt erst im März ein neuer Caritasdirektor, Markus Hillebrand, bisher Diözesanjugendseelsorger in Magdeburg.
Über die sieben Jahre von Herrn Direktor Scholze kann sicher gesagt werden, dass er versucht hat, den Caritasverband "zu befrieden". Unter den Dekanatsfürsorgern und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Diözesanverbandes hat es viele Jahre massive Probleme, Auseinandersetzungen und Angriffe gegeben. Hier hat Herr Direktor Scholze versucht zu vermitteln, auszugleichen und eine vernünftige Arbeitsbasis zu schaffen, damit wir uns nicht in Grabenkämpfen selbst zerfleischen und unserem eigentlichen Auftrag, der Sorge für die Klienten, entziehen.
Aus einem größeren Abstand kann sicher gesagt werden, dass ihm das damals weitgehend gelungen ist.
Herr Kittner übernimmt das Dekanat Stendal, Herr Suda das Dekanat Weißenfels.
Herr Funk kommt als zweiter Fürsorger in das Dekanat Halberstadt.
1981 ist das Jahr der Behinderten. Im Bischöflichen Amt Magdeburg gibt es viele Aktivitäten. Es können für diese Gruppe neue Helferinnen und Helfer gefunden werden.
1982
Personal:
- Frau Hall beendet ihre Arbeit bei uns, was sich auf die Körperbehindertenarbeit in den Dekanaten Dessau und Wittenberg auswirkt.
- Herr Schulze beginnt im September die Arbeit im Dekanat Bernburg.
- Frau Rosa Kramer scheidet aus dem Dekanat Halberstadt aus.
In allen Dekanaten nimmt die Erholungsfürsorge einen breiten Platz ein. Vom Diözesanverband werden diverse Sondererholungen eingeplant, die jeweils unter der Leitung von Dekanatsfürsorgern durchgeführt werden.
Die Helferarbeit wird von manchen Fürsorgern als katastrophal bezeichnet. Ebenso werden immer wieder Klagen über die fehlende Zusammenarbeit mit den pastoralen Mitarbeitern laut.
1983
Herr Spinneken verlässt das Dekanat Wittenberg. Frau Bäsken übernimmt zu ihrer Arbeit in Dessau kommissarisch das Dekanat Wittenberg.
1984
Herr Direktor Hillebrand wird mit der Seelsorge im Elisabeth-Krankenhaus Halle beauftragt. Weihbischof Hubrich übernimmt die Leitung des Caritasverbandes.
Frau Hünert wird als zweite Fürsorgerin im Caritasverband Halle angestellt mit dem Schwerpunkt der Gehörlosenarbeit.
Herr Könecke löst Frau Sonntag in den Dekanaten Egeln/Oschersleben ab. Er behält seine Beauftragung für die Strafgefangenen- und Haftentlassenenarbeit in Magdeburg.
Schwerpunkt der Arbeit in allen Dekanaten ist die Einzelhilfe, die sich vor allem mit Familien, Alleinerziehenden, Alten und Menschen mit verschiedenen Behinderungen befasst.
1985
Personal:
- Herr Harmuth übernimmt das Dekanat Wittenberg.
- Frau Suda wird als zweite Mitarbeiterin im Dekanat Weißenfels angestellt.
Im Dekanat Stendal entsteht neu ein sog. Wochenenddiakonat. Jugendliche helfen im Altenheim Sandau.
Die Breite der Arbeit lässt bei vielen Fürsorgern die Frage aufkommen, ob wir uns nicht in unserer Arbeit auf einige wenige Spezialgebiete beschränken sollten, um qualitativ besser helfen zu können und uns nicht zu verzetteln.
1986
Im Dekanat Stendal beginnt eine intensivere Betreuung von Alkoholkranken.
1987
Personal:
- Frau Kittner wird mit einer 30-prozentigen Anstellung im Dekanat Stendal tätig.
- Das Ehepaar Funk verlässt Halberstadt und geht nach Erfurt.
- Frau Rosa Kramer übernimmt die Arbeit wieder, Frau Steinke als Sachbearbeiterin unterstützt die Tätigkeit.
- Herr Blaser übernimmt das Dekanat Burg.
- Frau Hünert verlässt den Caritasverband Halle und wird Krankenhausfürsorgerin im Barbara-Krankenhaus.
Die Frage nach strukturellen Veränderungen Prioritäten etc. bewegen weiter die Fürsorger.
1988
Der bisherige Studentenpfarrer von Magdeburg,Günther Brozek, wird Caritasdirektor.
Im August siedelt das Ehepaar Suda nach dem Westen um. Herr Antkowiak übernimmt kommissarisch zu seiner Arbeit in Merseburg noch die Arbeit im Dekanat Weißenfels.
1989
Personal:
- Herr Lohfink übernimmt das Dekanat Naumburg-Zeitz. Er unterstützt bisherige Arbeit und so kann sich der Kreis der Eltern geistig behinderter Kinder weiter stabilisieren.
In diesem Jahr machen sich Veränderungen bemerkbar, die dann in der Wende offen ausbrechen.
Ab 1990 sind völlig neue Bedingungen für die Caritasarbeit, zu denen ich sicher nichts weiter sagen muss.
